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Als im Dezember 1989 zwei Musiker erstmals unter dem Namen Corvus Corax auf der Bühne standen, war das nicht nur die erste "Neue Deutsche Mittelalterband" nach dem Fall der Mauer. Die Grundlagen für das, was da auf die Welt zukommen sollte, waren schon "ANTE CASU PECCATI" vor dem Sünden-(Mauer-)fall gelegt. Was als Duo begann, schloss sich schnell mit "Zumpfkopule" zur "CONGREGATIO" und zum Quintett zusammen und erregte allerorts Aufsehen. Als sich 1992 die Stammbesetzung endgültig formiert hatte und damit die "TEMPI ANTIQUII", die Alten Zeiten, vorbei waren, war der Name Corvus Corax in der Mittelalterszene bereits ein Begriff.
Was aber ist das Geheimnis dieser Band?
Die Musik der fahrenden Spielleute ist nur spärlich überliefert. Die offizielle Musiktheorie jener Zeit behandelt diese Gattung nur, um anzuzeigen, wo gottgefällige Musik aufhört. Allerdings konnte die Kirche eine weltliche Musikentwicklung nicht verhindern, denn " INTER DEUM ET DIABOLUM SEMPER MUSICA EST" - zwischen Gott und Teufel ist immer und überall Musik.
Corvus Corax hat die vereinzelt aufgeschriebenen Melodien in Bibliotheken aufgestöbert und behutsam bearbeitet, das Leben der Spielleute studiert und selbst nachgelebt, die alten Instrumente in der eigenen Werkstatt rekonstruiert und mit spielpraktischen Erfahrungen weiterentwickelt.
Hier wird die mittelalterliche Spielmannsmusik nicht als auflockerndes Hörbeispiel zum "Openair-Museum"-Mittelaltermarkt dargeboten. Corvus Corax hat die Grenzen akademischer Musikdarbietung gesprengt. Auch damit hat die Gruppe eine praktische Erfahrung mittelalterlicher Spielleute wiederholt, denn von der traditionellen Musikgeschichtsauffassung her ist Corvus Corax ein "Diabolum in Musica" - ein Teufel in der Musik. Als solch einer wurde auch der "TRITONUS" bezeichnet - ein disharmonisches Intervall. Jedoch die stetig wachsende Fangemeinde und die Presse haben die Gruppe Corvus Corax 1994 zu den "Königen der Spielleute" erhoben.
Wenn das theoretische Fundament immer wieder an der praktischen Umsetzung geschliffen wird, muss es zu einer Entwicklung kommen: Dass auch Corvus Corax "VIATORES" (Wanderer) sind und sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, ist mit der 1997 entstandenen Produktion der Band deutlich geworden. Wenn man hier meint, Anlehnungen an moderne Popmusik zu hören, so ist das durchaus beabsichtigt und im Sinne mittelalterlicher Spielleute: diese haben bei ihren Reisen durch die mittelalterliche Welt überall Melodien und Rhythmen aufgegriffen und mit ihrer musikalischen Erfahrung zur neuen Musik ihrer Zeit verschmolzen und damit die gesamteuropäische Musikentwicklung entscheidend beeinflusst. Mit der gleichen spielmännischen Musikauffassung gehen Corvus Corax an Musik heran und lassen ihre eigenen musikalischen Erfahrungen, auch die mit moderner Musik, in ihre "Alte"-Musik mit einfließen.
Dies ist auch eine Art und Weise, wie seit eh und je mit Geschichte und Geschichten umgegangen wurde und wird: um historische Begebenheiten herum spannen nicht erst seit dem Mittelalter u. a. Dichter - also auch Spielleute - Legenden, um zu unterhalten oder um auf ewige Zusammenhänge in der Daseinsgeschichte des Menschen hinzuweisen. Eine Ewigkeit ist vergangen, "MILLE ANNI PASSI SUNT", und immer noch tanzen die Menschen zu denselben Melodien.
Ein besonderer Anlass zu einer Verknüpfung von Legendärem und der Musik von Corvus Corax bot sich bei der Begegnung der Gruppe mit Ottomar Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco, dem Erben des legendären Fürsten Vlad Tepes genannt "Der Pfähler", der die Vorlage für Bram Stokers Geschichte vom Grafen Dracula bot. Prinz Kretzulesco beschwört in einem Lied in altrumänischer Sprache: Was ich gewesen bin, bist du jetzt - was ich bin, wirst du sein - tausend Jahre sind vergangen - und der Chor wiederholt: Mille Anni Passi Sunt...
Auf der Suche nach neuen alten Schätzen aus der Vergangenheit sind Corvus Corax in noch tiefere Ebenen der Geschichte vorgedrungen und auf das "SEIKILOS"-Lied, das älteste in Musik und Text überlieferte Lied aus dem europäischen Kulturkreis, gestoßen. Die doppelte Rezeption antiker und auch fernöstlicher Musik, also die Übertragung ins "Moderne Mittelalter" von Corvus Corax, macht den Reiz der jüngsten Veröffentlichung der Band aus.
Die "Tanzwut"-Bewegung im 14. Jh., bei der sich viele Menschen den Spielleuten anschlossen und sich tanzend dem drohenden Weltuntergang durch die Pest zu entziehen suchten, hat Parallelen zu den Megaparties, den Raves der Technoszene von heute. Aus der Single Produktion "Tanzwut" ist ein zweites Projekt der Corvus Corax Musiker hervorgegangen, in dem neben den mittelalterlichen Instrumenten auch E-Gitarren und Keyboards eingesetzt werden.
Die Melodien und Sounds von Corvus Corax haben Musiker aus anderen Genres dazu inspiriert, diese auch einmal "IN ELECTRONICA" erklingen zu lassen. Remixes aus den Bereichen Gothic, Rock, Techno oder verspielter Pop sind auf dieser Produktion zu hören.
Während der Zeit ihres Bestehens ist Corvus Corax rund um die Welt gekommen: Konzertreisen führten die Band in fast alle europäischen Länder, nach Japan, Jordanien, Marokko und Mexiko. Fernsehanstalten haben die Gruppe für verschiedene Produktionen herangezogen und immer wieder waren die Könige der Spielleute auf historischen Stadtfesten und zu Konzerten in Burg- und Schlosshöfen zu hören. Seit ihrem 10. Jahr sind Corvus Corax regelmäßig auch im Winter auf Tour und spielen in Clubs und Konzerthallen in ganz Deutschland und Europa.
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